ch pa us es de

Homepage von Andrea & Daniel Mannale 

Geschichte

Ein spannender aber tragischer Rückblick

Die Ngäbe blicken auf eine schwierige Geschichte von Ausbeutung und Unterdrückung zurück. Die Quellen zu ihrer Geschichte sind aber eher spärlich und häufig sehr einseitig.

Am 12. Oktober 1492 erblickte Kolumbus und seine Gefolgschaft erstmals den amerikanischen Kontinent. Sie waren mit drei Schiffen in diese abenteuerliche Reise aufgebrochen, in der Hoffnung, dass die Erde rund sei. Falls ihre Annahme stimmte, hofften sie so eine neue Route über den Atlantik nach Indien zu finden. Das was sie aber «entdeckten» war nicht Indien, sondern ein für die Europäer bis dahin unbekannter Kontinent. 

1502 erreichte Kolumbus erstmals Panamas Küsten. Die Region, wo sie an Land gingen, entspricht dem heutigen Ngäbegebiet. Dieser Moment bedeutet für das Land der Zusammenstoss zweier völlig verschiedener Kulturen und der Begin einer schwierigen Geschichte. Eine Subsistenzkultur wurde nun plötzlich von den militärisch überlegenen Eindringlingen verdrängt. Fast chancenlos mussten sie mit ansehen wie diese kamen, um ihr Gebiet auszubeuten. Es beinhaltete eine enorme Krise, deren Ausmass heutzutage kaum nachvollzogen werden kann. Ein Grund dafür liegt auch darin, dass die Geschichtsschreiber mehrheitlich von der Perspektive der glorreichen «Entdeckung» Amerikas sprechen. Die Eroberungszüge wurden dabei häufig mit der angeblich noblen Absicht der Kolonialherren, diese Völker zu «zivilisieren» und «christianisieren», gerechtfertigt. Auch heute noch wird dies häufig so in den Geschichtsbüchern dargestellt. Es führt dazu, dass auch jetzt noch der begangene Völkermord, der begangene Raub und das Aufzwingen einer fremden Religion und Kultur der Kolonialzeit, schöngeredet werden.

Das Kreuz und das Schwert

Dieser Logik folgte die Spanische Inbesitznahme der eroberten Gebiete. Ausbeutung, Raub und Totschlag wurde mit der angeblich noblen Absicht der sogenannten «Missionierung» und «Zivilisierung» der indigenen Bevölkerung gerechtfertig.

#
#
#

 

Die Kolonie - eine Geschichte der Zerstörung und Vernachlässigung

Es wird vermutet, dass Panama dicht besiedelt war als die Spanier ankamen. Es lebten mehrere dutzend Stämme im Land, die teils schon beachtliche Fortschritte in der Töpferei, Schmiedekunst oder Landwirtschaft erreicht hatten. Der Tauschhandel erstreckte sich im Norden bis zu den Mayas in Mexico oder Ecuador im Süden. Die Atmosphäre im Land war dabei alles andere als friedlich. Durch die engen Platzverhältnisse gehörten kriegerische Handlungen zwischen den verschiedenen Gruppierungen zur Tagesordnung im Kampf um die vorhandenen Ressourcen.

Im Fall von Panama, sticht als Erstes die Dezimierung der Bevölkerung ins Auge. Je nach Schätzung, lebten in Panama zwischen 600'000 und 2 Millionen Menschen, bevor die Spanier ankamen. Fakt ist, dass 1522, 20 Jahre nach deren Ankunft, schätzungsweise nur noch 13'000 Indianer im Lande lebten. Die Versklavung von Tausenden, die nach Peru geschickt wurden, um in Minen zu arbeiten, kriegerische Handlungen, von den Spaniern importierte Krankheiten, Selbstmorde und Assimilation trugen unter anderem dazu bei. Viele Stämme wurden in dieser Zeit bereits vollständig ausgerottet. Die Ebenen in den Küstengebieten wurden fortan von den spanischen Siedlern und assimilierten Indianern (diejenigen, die sich «christianisieren» liessen) und deren Nachkommen bewohnt.

Die heutigen Latinos, sind die Nachkommen der neuen Mischlingsbevölkerung die sich daraus bildete. In abgelegenen Gebieten, wie in den Bergen im Westen Panamas, schafften es aber einige Indianergruppen zu überleben. Da die Spanier in dieser Region auch kein Gold fanden und der Sklavenbedarf bald danach von Afrika aus gedeckt wurde, lebten diese Indianer über Jahrhunderte relativ ungestört von ihrer Aussenwelt. Diese «Ungestörtheit» bedingte aber auch eine totale Vernachlässigung durch die zuständigen Regierungen, welche es nie als nötig erachteten, den Indianern im Lande die gleichen Rechte, wie dem Rest der Bevölkerung, zuzugestehen. Sie lebten für sich in der Vergessenheit.

Der Fortbestand der Kolonialzeit bis heute

Auch wenn Panama seit 1821 von Spanien unabhängig ist, änderte sich, aus der Perspektive der Indianervölker Panamas, die Situation nie wirklich. Das kolonialistisch geprägte System blieb aus ihrer Sicht unverändert. Denn sie waren weiterhin, wie bei der Ankunft der Europäer, mit einem System konfrontiert das ihnen von aussen aufgesetzt wurde. Die Muster der Benachteiligung, Ausbeutung und das Ziel sie möglichst zu «zivilisieren» und «gute» Latinos aus ihnen zu machen, blieben gleich. Haben ihnen früher z.B. die spanischen Kolonialherren das Land geraubt, so waren es später einfach die Grossgrundbesitzer.

Im 20. Jahrhundert intensivierte sich dann der Kontakt der Ngäbe mit der Aussenwelt relativ schnell. Ein Grund war das grosse Bevölkerungswachstum der Ngäbe und damit verbunden die steigende Landknappheit, so dass es für sie gar nicht mehr möglich war, als Selbstversorger mit den traditionellen Anbaumethoden in ihrem verbleibenden Gebiet zu überleben. Sie wurden dadurch wirtschaftlich immer mehr von der Aussenwelt abhängig und kamen dann meist als schlecht bezahlte Arbeitskräfte auf Farmen oder Plantagen zum Einsatz. Ab den 1960ern nahm dann die Regierung auch immer mehr Einfluss in ihr Gebiet. So wurden bald darauf auch erste spanische Schulen und ein paar wenige, meist schlecht ausgerüstete, Gesundheitszentren gebaut.

Eine Gegenreaktion auf die wachsenden äusseren Einflüsse erfolgte durch die Mama Tadta Bewegung (auch Mama Chi genannt). Sie startete als religiöse Bewegung, welche katholische und indigene animistische Elemente enthielt. Sie stellte eine reaktionäre Bewegung dar, die darauf aus war, dass sich die Ngäbe von allen äusseren Einflüssen abschotten und distanzieren sollten. Weiter wurden aber auch gewisse traditionelle Bräuche, wie die mit Trinkgelagen verbundene Feste, verboten. Seinen Ursprung hatte das Ganze in einer himmlischen Vision, die eine junge Frau angeblich hatte. Gemäss den von ihr übermittelten Angaben, sollten alle Ngäbe sich der Bewegung anschliessen. Sollten die Ngäbe sich an die Gebote dieser neuen Religion halten, würde dann ein goldenes Zeitalter anbrechen. Da diese Frau aber bald darauf verstarb und die versprochenen besseren Zeiten nie eintrafen, verlor die Bewegung rasch an Einfluss. Für die Ngäbe legte es aber die Grundlage für eine Neubewertung ihrer indigenen Identität und für den darauffolgenden Kampf für mehr Selbstständigkeit und den Erhalt ihres Gebietes. Auch wenn die Mama Tadta Bewegung unter den Ngäbe in vielen Regionen keinen grossen Rückhalt hatte, gilt sie weiterhin häufig als die offizielle Religion der Ngäbe. 

#
#
#
#
#
Die Ngäbe-Widerstandsbewegung

Ursprünglich inittiert von der Mama Tadta Bewegung in den 1960ern, kämpfen die Ngäbe bis heute für ihre Rechte. Ein grosses Vorbild ist für sie der legendäre Häupfling Urracá, der einst erfolgreich gegen die Spanier kämpfte (Münzgravur im vierten Bild).

 

Der Kampf für die Eigenständigkeit intensivierte sich auch dadurch, dass die Regierung in den 1970ern ohne Rücksprache plante, ein riesiges Kupfervorkommen mitten im Gebiet der Ngäbe auszubeuten. Es handelte sich damals um die weltweit grösste bekannte Kupfermine. Da die Ngäbe bald merkten, dass ihre Interessen im Ganzen keine Rolle spielten, starteten sie ihre bis dahin grösste Mobilisierung in ihrer Geschichte. Durch die internationale Aufmerksamkeit, den schlechten Kupferpreisen, die finanziellen Schwierigkeiten des Landes und der unerwartete Tod des damaligen Diktators, wurde das Projekt damals aber glücklicherweise sistiert. Es gibt aber aktuell einige Hinweise darauf, dass die Regierung in nächster Zukunft dieses gigantische Projekt wieder aufgreifen wird.

In ihrem Kampf für die Respektierung ihrer Rechte, stellt aktuell die Schaffung der Ngäbe-Buglé Comarca in 1997, als ein eigenständiges indigenes Gebiet, eines der grössten Erfolge dar.