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Bezüge zum Christentum

Eine nicht immer einfache Geschichte

Seit den Anfängen der Kolonialzeit wurden die indigenen Volksgruppen mit dem Christentum konfrontiert. Es handelte sich dabei um ein Christentum, das Hand in Hand mit dem Kolonialsystem einherkam und damit zum Inbegriff der Unterdrückung wurde.

Die katholische Kirche unterstütze die Eroberer aktiv in ihrem Vorhaben, die einheimische Bevölkerung zu bezwingen. Der Einfluss der Kolonialherren sollte dadurch gestützt werden, dass die Priester Dörfer gründeten (sogenannte «Reducciones») in denen die Einheimischen mehr unfreiwillig als freiwillig zu leben hatten, um «zivilisiert» und «christianisiert» zu werden.

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Was stimmt hier nicht? Finde den Fehler!

Dieses Bild haben wir von der Kolumbus-Statue in Barcelona gemacht. Im Sockel ist ein Priester dargestellt, vor dem ein indigener Mann kniet. Die Szene widerspiegelt die Haltung der katholischen Kirche und der Eroberer in der Kolonialzeit. Die Statue, welche die «glorreiche Entdeckung» Amerikas feiert, ist letztlich die Darstellung eines beschämenden Kapitels der Geschichte, welches kaum etwas mit dem christlichen Glauben gemeinsam hatte.

Aber soll es so sein? Ist nicht der christliche Botschafter gerufen, andere höher zu achten und ihnen als Diener zu begegnen? (siehe z. B. Kol 1,25; Mt 23,11; Phil 2,3).

Wer die Botschaft der Bibel kennt, weiß, dass das Christentum der Kolonialzeit kaum etwas mit dem christlichen Glauben gemeinsam hat. Es gibt absolut keine Rechtfertigung, dass Menschen, die sich Christen nennen, Teil eines Systems der Unterdrückung sein können. Es steht im Widerspruch zur christlichen Botschaft, in welcher es um die Befreiung der Unterdrückten geht, wie es Jesus selbst z.B. in Lukas 4,18-21 sagt.

Wie so oft in der Geschichte wurde auch in Panamas Geschichte die christliche Botschaft missbraucht, um politische Ambitionen zu rechtfertigen. Trotzdem sollte unserer Meinung nach dies nicht als Argument gegen das Christentum an sich verwendet werden. Denn das Problem ist hier nicht das Christentum, sondern Menschen, welche im krassen Widerspruch zur christlichen Botschaft diesen Glauben in einem religiösen System für ihre Zwecke missbrauchten.

Trotz des schlechten Rufs, welches sich die katholische Kirche und viele ihrer Amtsträger in dieser Zeit eingebrockt haben, war nicht jede ihrer Tätigkeiten in der Kolonialzeit ausschließlich negativ. Es gab auch einige katholische Priester, welche sich hingebungsvoll für die Ngäbe und ihre Rechte einsetzten. Nichtsdestotrotz durch die Komplizenschaft der katholischen Kirche mit den Ausbeutern während der Kolonialzeit ist es nicht verwunderlich, dass diese Kirche unter den Ngäbe bis heute wenig Anklang findet.

Später um die 1930er-Jahre gab es erste missionarische Bestrebungen etwas anderer Art, diesmal aus dem evangelikal-protestantischen Lager. Dies intensivierte sich ab Mitte des 20. Jahrhunderts, wo dann weitere Missionare in das Gebiet kamen. Die Offenheit der Ngäbe für die christliche Botschaft wurde später womöglich auch durch das Vakuum begünstigt, welches das rasche Ableben der Mama Tata Bewegung in den 1960ern hinterließ.

Christliche Missionare und die Ngäbe Kirche heute

Das Engagement von Missionaren ist heutzutage sehr umstritten und wird gerne hinterfragt. Trotzdem: viele setzten sich selbstlos für das Wohl der Ngäbe ein und haben sehr viel gutes Bewirkt! Über viele Jahre waren es praktisch die Einzigen, welche sich für diese Menschen eingesetzt haben.

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Wer sich für das Thema interessiert, für den empfiehlt es sich, den Artikel "Mission bringt Zivilisation" von livenet.ch zu lesen. Dort geht es um eine Studie des amerikanischen Soziologen Robert Woodberry. Diese belegt wie die missionarische Arbeit im Allgemeinen in der Geschichte eine äußerst positive und tiefgreifende wirtschaftliche und politische Wirkung erzielt hat.

Ein weiterer Gedankenanstoß: wer es wagt, aus der Ferne den Einsatz von Missionaren zu kritisieren, sollte sich doch mal vor Augen führen, was es für diese Menschen bedeutet haben könnte, häufig unter widrigen Bedingungen zu leben, um diesen Menschen zu helfen. Es wäre naiv zu glauben, dass sich jemand sein ganzes Leben aufopfert, um damit anderen bewusst zu schaden. 

Aus unserer Sicht ist die selbstlose Tätigkeit vieler christlicher Missionaren aus dieser Zeit sehr positiv zu werten. Erstmals ging es nicht darum, diesen Menschen einfach eine fremde Religion und Kultur aufzusetzen, um sie zu «zivilisieren». Vielmehr wurde die gute Botschaft der Bibel verkündigt, die besagt, dass Gott alle Menschen unabhängig von ihrer Herkunft liebt und jedem, als seine Schöpfung seinen Wert gibt.

Für die Ngäbe beinhaltete es eine frohe Botschaft auch in dem Sinne, dass es ihnen die Möglichkeit bot, frei von den Einflüssen dieser Geister zu werden, welche ihr Leben stets mit Angst geprägt hatten. Jeder konnte dabei freiwillig entscheiden, ob er diese Botschaft annehmen wollte oder nicht. Die Übersetzung von weiten Teilen der Bibel hat ferner auch dazu beigetragen, ihre Sprache zu erhalten. Das Resultat all dieser missionarischen Tätigkeit ist eine einheimische christliche Kirche, welche heute vollumfänglich und eigenständig von den Ngäbe weitergeführt wird. Zusätzlich sind aber in den letzten Jahrzehnten noch zahlreiche weitere Kirchen und Sekten in das Gebiet gekommen.

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Das Neue Testament in Ngäbere

Festlichkeiten rund um die offizielle Herausgabe des Neuen Testaments der Bibel in Ngäbere (2. Mai 2015). 

Heute wird die von den Missionaren gegründete Kirche vollumfänglich von den Ngäbe geleitet.