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Kritische Fragen

... zu unserem Engagement unter den Ngäbe

Wir sind uns bewusst, dass christliche Tätigkeit im Allgemeinen und ganz besonders die Arbeit unter indigenen Volksgruppen teilweise sehr kritisch beurteilt wird. Unserem Eindruck nach ist diese Kritik häufig mit pauschalen Vorurteilen verbunden, die möglicherweise auch aus einer einseitigen Kenntnis des christlichen Glaubens entstehen. Gleichzeitig haben viele Menschen in Europa eine verzerrte Vorstellung von der Realität, in der indigene Völker heute leben. Diese entspricht nur selten dem Bild, das uns Hollywoodfilme vermitteln.

Wir möchten uns bewusst auch kritischen Fragen stellen und den Dialog mit Andersdenkenden suchen. Dabei betrachten wir selbst viele Ansätze kritisch, die von christlichen wie auch von säkularen Helfern angewandt werden. Wir freuen uns deshalb über jedes Feedback und über weiterführende Gedanken, denn auch wir verstehen uns immer als Lernende. Du kannst uns gerne über das Kontaktformular schreiben.

Was ist unsere Sichtweise in Bezug auf den Umgang mit der indigenen Kultur?

Den Respekt und Wertschätzung der lokalen Kultur sehen wir als eine zentrale Voraussetzung für die Tätigkeit bei einem anderen Volk. Unser Wunsch ist es, den Menschen auf Augenhöhe zu begegnen und sie darin zu unterstützen, ihre Zukunft aktiv zu gestalten. Wir sind keine Helden und möchten mit den Menschen als Mitlernende unterwegs sein, indem wir uns voll auf ihre Lebenswelt einlassen.

Wie wir bereits im Artikel über die Ngäbe Kultur ​​​​​​hervorgehoben haben, beinhaltet die Wertschätzung der lokalen Kultur nicht, dass man einfach alles für gut befindet. Wir sind der Überzeugung, dass jede Kultur ihre Schlagseiten hat. Das gilt zuerst einmal auch für unsere eigene Kultur und Sichtweisen.

Die respektvolle Begegnung von Menschen aus verschiedenen Kulturen bietet die Chance, dass wir beide voneinander lernen können. In diesem Sinn möchten wir in unserem Unterwegssein mit den Ngäbe unsere eigene Weltsicht und Kultur nicht einfach als die Bessere oder Überlegene betrachten. Wie gesagt, hat auch diese ihre blinde Flecken und Macken, worüber wir uns häufig gar nicht bewusst sind.

In unserer Begegnung mit der Ngäbe-Kultur möchten wir daher auch unsere westlich-christliche Weltsicht immer wieder kritisch hinterfragen. Wir sehen es als Chance, dass bei einem demütigen Unterwegssein, in welchem wir Menschen auf Augenhöhe begegnen, auch uns der Blick geöffnet werden kann für Einseitigkeiten und Fehlentwicklungen in unserer eigenen Weltsicht. Denn auch unser Wissen ist stets Stückwerk und auch das, was wir als gut oder «christlich» bezeichnen, bleibt stets korrekturfähig.

Wie gehen wir mit der einheimischen Kultur um? (Video)

Zerstört der christliche Glaube nicht die einheimische Kultur?

Nein. Es ist jedenfalls nicht die Absicht des christlichen Glaubens, eine lokale Kultur zu zerstören. Es geht vielmehr darum, dass Gott in jeder Kultur die negativen Elemente positiv verändern möchte. All diejenigen, die im immer noch ein wenig christlich geprägten Europa aufgewachsen sind, können sich gar nicht vorstellen, was es z. B. für animistisch geprägte Menschen heißt, in ständiger Furcht vor bösen Geistern zu leben. Gerade auch diesbezüglich hat der christliche Glaube vielen Ngäbe eine große Freiheit geschenkt.

Trotzdem kann es passieren, dass Christen (die übrigens auch einfach Menschen sind und Fehler machen), z.B. manchmal unbewusst nach kolonialem Muster vorgehen und unreflektiert anderen ihre Kultur überstülpen. Ein solches Vorgehen kann leider schon dazu führen, dass der Einfluss von Christen dazu beiträgt, dass auch positive Elemente der einheimischen Kultur abgewertet oder gar verworfen werden. Das ist nicht korrekt, hat aber nichts mit dem Kern des Christentums zu tun. Vielmehr entspringt es der menschlichen Denkweise, die stets das Eigene als das Bessere sieht. 

Der christliche Glaube ist übrigens nicht an eine Kultur gebunden und in seinem Ursprung schon gar nicht "europäisch"! Weiter geht es im Kern des christlichen Glaubens weder um Religion noch um den Export eines fremden Systems. Es geht vielmehr darum, dass unser Schöpfer mit uns Menschen in Kontakt treten möchte. Dies anderen vorenthalten zu wollen, ist aus einer authentischen christlicher Sicht nicht vertretbar, da wir dem Ruf Jesu aus der Bibel folgen, die gute Nachricht allen Menschen bekannt zu machen. Jeder, der möchte, soll Gottes Liebe erfahren dürfen. Es geht uns dabei aber nicht darum, den christlichen Glauben in einem westlichen Mantel zu den Ngäbe zu bringen. Wir sehen es vielmehr als eine gute Botschaft, welche deren Kultur grundsätzlich wertschätzt und positiv verändern möchte. 

Wir sind uns bewusst, dass eine einheimische Kultur auch Schaden nehmen kann, wenn diese unsensibel angegangen wird und man unreflektiert die eigene Weltsicht einfach als die Bessere annimmt. Dabei wurde in der Vergangenheit, wie gesagt, auch im Namen des Christentums schon viel Unheil angerichtet (Siehe dazu auch der Artikel Bezüge zum Christentum unter der Rubrik "Die Ngäbe"). So gab es sicher auch Christen und Missionare, die gewisse Dinge in diesem Bereich zwar mit einer guten Absicht, aber vielleicht etwas einseitig angegangen sind. Aber irren ist menschlich! Nichtsdestotrotz ist es nicht fair, einfach pauschal zu behaupten, dass alle diese Menschen mit ihrem Engagement Kulturen zerstört haben. Vielmehr sollte das große Opfer, dass diese Menschen häufig erbracht haben, auch gewürdigt werden.

Wollen wir die Ngäbe bekehren? (mit Video)


In Zusammenhang mit dieser Frage steht der Verdacht, dass das christliche soziale Engagement lediglich als Vorwand dient, um andere Menschen für den eigenen Glauben zu gewinnen. Dies entspricht jedoch nicht der Motivation unseres Engagements. Unser Wunsch, uns für die Ngäbe einzusetzen, folgt vielmehr der häufig vorkommenden Aufforderung der Bibel zur tatkräftigen Nächstenliebe. Das möchten wir leben, indem wir uns für jeden Menschen einsetzen, unabhängig davon, ob er oder sie etwas mit dem christlichen Glauben zu tun haben möchte oder nicht. Wir tun dies nicht einfach, damit sich Menschen deswegen «bekehren». Die Motivation ist immer die Gleiche: Wir möchten die Liebe, die wir von Gott erfahren haben, den Menschen weitergeben, die ihm ganz besonders auf dem Herzen liegen, nämlich die Armen und die Unterdrückten.

Als Christen folgen wir aber auch dem Ruf Jesu, die gute Nachricht allen Menschen bekannt zu machen (siehe z. B. Apostelgeschichte 1,8 oder Markus 16,15). Hierbei geht es nicht darum, (wie vielleicht in gewissen Sekten) Menschen für eine gewisse Organisation oder Kirche anzuwerben. Wir sind zwar Mitglieder einer christlichen Freikirche in der Schweiz, arbeiten aber mit anderen Kirchen in Panama zusammen. Es geht uns nicht um Religion. Nein, die gute Botschaft der Bibel beinhaltet, dass Gott mit jedem seiner Geschöpfe eine Beziehung eingehen möchte, unabhängig von seiner Kultur, Sprache oder Volkszugehörigkeit. Weil wir glauben und es persönlich erleben, wie genial es ist, so mit Gott durchs Leben zu gehen, wünschen wir das natürlich jedem anderen auch (auch dir!). Dies jemandem vorenthalten zu wollen, wäre für uns nicht vertretbar im Sinne einer ganzheitlichen Tätigkeit. Aber; ob jemand mit Gott leben möchte oder nicht, muss jeder selbst entscheiden. Auf die Art und Weise wie wir dann folglich mit dieser Person umgehen oder ihr helfen, darf das keinen Einfluss haben. Denn als Christen sind wir herausgefordert jeden Menschen gleich zu lieben. Alles andere würde nicht dem entsprechen, was Jesus uns vorgelebt hat.

Wie sozial darf das christliche Engagement sein?

Im vorherigen Abschnitt habe ich bereits geklärt, dass das christliche soziale Engagement nicht einfach als mittel zum Zweck eingesetzt werden sollte, um Menschen zu "bekehren". Die Frage, die auf der anderen Seite gestellt werden sollte, ist, inwiefern es überhaupt eine "christliche" Aufgabe darstellt, sich für soziale Anliegen zu engangieren. Ich bin überzeugt, dass dies aus Sicht der Bibel ziemlich klar ist und lege dies in der folgenden Stellungnahme dar. 

Hast du eine weitere Frage, die hier nicht erscheint?

Du kannst dich gerne an uns wenden. Wir ergänzen dann gegebenenfalls gerne unsere aktuelle FAQs.